Rede zur Eröffnung des Hausdorff Research Institute for Mathematics (Felix Otto):

Magnifizenz, liebe Frau Prodekanin Bartels, lieber Herr Prorektor Baur, sehr geehrte Vertreter der DFG: Frau Stark, Herr Kiefer. Herzlich willkommen im Hausdorff Research Institute for Mathematics, kurz HIM genannt!

Zur Vorgeschichte: Vor ziemlich genau einem Jahr wurde unser Exzellenzcluster in Mathematik, mit Beteiligung der theoretischen Ökonomie, eingerichet— und heisst jetzt, nach dem Bonner Mathematiker der Vorkriegszeit, Felix Hausdorff, Hausdorff Center for Mathematics, kurz HCM. Es ist das einzige unter nunmehr 37 Exzellenzclustern, das sich Mathematik auf die Fahnen geschrieben hat. Die Eröffnung des HCM haben wir bereits im Januar mit einem zweitägigen Kolloquium gefeiert. Heute feiern wir die Eröffnung von HIM. HIM ist eine weitgehend selbständige Untereinheit des HCM und steht für das internationale Gäste- und Veranstaltungsprogramm. HIM geht es darum, externe und interne Wissenschaftler, die an einem Themenkomplex arbeiten, für längere Zeit (eher in Monaten als Wochen gerechnet) an einem Ort zusammenzuführen. Gerade in einer nicht-experimentellen, aber kulturübergreifenden Wissenschaft wie der Mathematik, sind solche Orte wichtig: Hier werden neue Forschungsrichtungen definiert, und — ebenso wichtig — alte ad acta gelegt. Es gibt internationale Vorbilder, wie das Mathematical Sciences Research Institute in Berkeley oder das Newton Institute in Cambridge. Wie dort werden auch hier die Themenkomplexe durch einen extern besetzten wissenschaftlichen Beirat bestimmt. Ein Brückenschlag in andere Fächer ist dabei erwünscht: Im Sommer 2008 gibt es ein Programm zu “Geometry and Physics”, im Sommer 2009 eines zu “Mechanism Design”, einem Teilgebiet der Spieltheorie, das in diesem Jahr dank des Nobelpreises in Ökonomie auch den Weg in die Tageszeitungen gefunden hat. Diese beiden Programme stärken die Verbindung zu den in der Exzellenzinitiative erfolgreichen Bonner “Schwester-Fächern”: der Physik und der Ökonomie. Im Frühjahr 2008 gibt es ein sogenanntes Juniorprogramm zu “Computational Mathematics”, das von mehreren Gruppen von Nachwuchswissenschaftlern konzipiert und bestritten wird. Ein Ort wie HIM ist auch stets ein Leuchtturm für die beherbergende Universität und das Land — und darum ging es ja auch in der Exzellenzinitiative: Internationale Sichtbarkeit — hier durch Dienstleistung an der weltweiten scientific community. Neben dem wissenschaftlichen Programm zählen auch die guten Arbeitsbedingungen. Hierzu hat die Universität dem HIM dieses Gebäude zur Verfügung gestellt: Ein Schmuckstück auf der Poppelsdorfer Allee, wie das Max-Planck Institut am Münsterplatz, das Arithmeum an der Hofgartenwiese, und — demnächst — die stattliche ehemalige Landwirtschaftskammer im Zentrum des Campus Poppelsdorf, wo 3 der Bonner mathematischen Institute zusammengeführt werden — Dank an die Universität für diese augenfällige Unterstützung. Und der Mann, der all das, was wir auf geduldiges Antragspapier geschrieben haben, in freier Interpretation umsetzt, heisst Matthias Kreck. Matthias Kreck war lange Zeit Direktor des weltbekannten mathematischen Tagungszentrums Oberwolfach im Schwarzwald und Professor in Heidelberg. Ihn hier zu verpflichten war die geniale Idee meines Kollegen Carl-Friedrich Bödigheimer. Herr Kreck verbindet

  • ansteckende Begeisterung für Mathematik in all ihren Ausprägungen mit
  • einem feinen Gespür für mathematisches Talent und mit
  • einer bisweilen kantigen Selbstverpflichtung zu wissenschaftlicher Qualität.

Zudem ist er ein mutiger Stratege und ein effizienter Organisator. Ohne ihn kann ich mir HIM nicht mehr vorstellen — herzlichen Dank. Dass er kam, als wir ihn riefen, liegt auch an seiner Anhänglichkeit an die Bonner Mathematik — er hat sich hier habilitiert. Diese bemerkenswert weitverbreitete Anhänglichkeit an die Bonner Mathematik erwächst aus Ihrer ungezwungenen Weltoffenheit, wie sie zum Beispiel Friedrich Hirzebruch oder Stefan Hildebrandt über Jahrzehnte kultiviert haben. Dieser gewachsenen Anziehungskraft der Bonner Mathematik haben wir auch die anderen Erfolge des Hausdorff Center for Mathematics zu verdanken, zum Beispiel bei den acht Qualifizierungsprofessuren, den Bonn Junior Fellows. Das sind auf 5 Jahre befristete, gut ausgestattete W2-Professuren. Wir haben Zusagen auf vier der bisher fünf ausgesprochenen Rufe — Dank an meinen Kollegen Herbert Koch, der die Findungskommission leitet. Abgesehen von Herrn Hornbostel kommen sie alle aus dem Ausland: Laszlo Szekelyhidi, der ein Konkurrenzangebot von der ETH Zürich ausgeschlagen hat, Nicolas Perrin aus der Mathematikhochburg Paris und Nitin Saxena, dessen Resultat zur Komplexitätstheorie weltweit Aufsehen erregt hat. Diese hochmotivierten und motivierenden Nachwuchswissenschaftler halten bereits Vorlesungen, die unser Master- und Graduiertenprogramm bereichern — so springt jetzt der Funken über. Wir wünschen dem HIM, seinem Direktor und seinem wissenschaftlichen Beirat auch für die nächsten Jahre viel Erfolg.